Auf Wunsch von „PFL“ ging er 1788 nach Eutin, der Residenzstadt des Fürstentums Lübeck, das zum Herzogtum Oldenburg gehörte. Er war dort zunächst Hofrat und kam genau in die Glanzzeit Eutins hinein, das sich damals zum „Weimar des Nordens“ entwickelte. Hellwag erwarb 1791 ein Haus in der Nähe von Johann Heinrich Voß (Rundgang Nr. 3) in der Riemannstr. 2. Er schloss eine enge Freundschaft mit Voß und auch mit dem damals in Eutin lebenden Grafen Friedrich Leopold zu Stolberg (Rundgang Nr. 13) und so war es nicht verwunderlich, dass er 1804 auch Mitbegründer der „Eutiner Literarischen Gesellschaft“ wurde, in der sich viele namhafte Träger des „Weimar des Nordens“ versammelten. Hellwag hielt dort eindrucksvolle Vorträge zum Magnetismus, der Optik und Akustik, der Hebammenkunst und der Armenkunde! Seine scharfsinnigen Arbeiten über die Optik erregten sogar das Interesse von Goethe! Im Gymnasium, wo sein Freund Voß Rektor war, half er sogar im Mathematikunterricht aus und lieferte Zeichnungen für die Altertumskunde.
All dies zeigt, wie vielseitig Hellwag war. Dies gilt auch für seine zahlreichen Veröffentlichungen, die insbesondere nach der Beförderung zum Physikus des Fürstentums Lübeck 1799 folgten. Nun war er für die gesamte öffentliche Gesundheitspflege zuständig. Und da kam es schnell „ganz dicke“. Denn die Pocken rollten an, gegen die es bisher keine Impfung gab. Mitte 1800 hatte Hellwag seine jüngste Tochter und 15 weitere Kinder erfolgreich mit einem Serum geimpft, das er durch Impfung einer Kuh gewonnen hatte! 1801 wurde die Pockenschutzimpfung erst in Eutin, dann im ganzen Fürstentum Lübeck eingeführt. Einige Jahre später wurde sie zur Pflichtimpfung erklärt. Als 1831 eine Cholerawelle Norddeutschland erreichte, konnte Hellwag durch die sofortige Bildung von Gesundheitskommissionen eine Ausbreitung verhindern!
Eine weitere große Leistung von Hellwag war die Eröffnung der ersten öffentlichen Badeanstalt im Fürstentum. Und vor deren Nachfolgeinstitution stehen Sie gerade!
Hellwag forschte intensiv auf mathematischem, astronomischem, physikalischem und physiologischem Gebiet mit auch vielen Veröffentlichungen. Er gilt sogar als Erfinder des „Storchenschnabels“ oder „Pantographen“, eines mechanischen Präzisionsinstrumentes zum Übertragen von Zeichnungen im gleichen, vergrößerten oder verkleinertem Maßstab!
Christoph Friedrich Hellwag blieb bis zu seinem Lebensende am 16. Oktober 1835 in Eutin, wo er auch begraben wurde. Sein Nachname wurde, wie zu lesen ist, gern in großer Anerkennung
mit „Hellwach“ ausgesprochen. Das ist sicher ohne weiteres nachvollziehbar.
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